Biografiearbeit ist eine strukturierte Form zur  Selbstreflexion der Biografie  in einem professionellen Coaching/ Setting. Die Reflexion einer biografischen Vergangenheit dient ihrem Verständnis in der Gegenwart und einer möglichen Gestaltung der Zukunft. Dabei wird die individuelle Biografie in einem gesellschaftlichen und historischen Zusammenhang gesehen. Aus dieser Sichtweise lassen sich zukünftige Handlungspotenziale entwickeln.

Das vom US-Amerikaner Robert Neil Butler (1927 - 2010) entwickelte Konzept einer Life Review bzw. Lebensrück- schau besagt, dass viele Menschen mit zunehmendem Alter den Wunsch verspüren, dem vergangenen Leben einen Sinn zu geben. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit kann persönliche Sicherheit geben, das Selbstvertrauen stärken und dabei helfen, die schwierigen Situationen des Älterwerdens besser zu bewältigen. Eine Beurteilung der erlebten Vergangenheit aus nachträglicher Sicht kann zu einer Integration der Biografie führen. Die Diskrepanz, die sich aus einem früheren Wollen und dem tatsächlichen Lebensweg eergibt, kann aufgehoben oder zumindest geringer werden.

 

Drei Ziele der Biografiearbeit

 

1. Stärkung autobiografischer Kompetenzen

  • Fähigkeiten erwerben, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen
  • Mut zum Erzählen vermitteln
  • Gedächtnisinhalte der älteren Generationen als verborgene Schätze wahrnehmen

2. Rekonstruktion der Lebensgeschichte des Einzelnen

  • individuelle Geschichten
  • ganzheitliches Verständnis für die eigene Biografie erlangen

3. Integration der Lebensgeschichte

  • positives Verarbeiten versöhnt Brüche, Widersprüche und Scheitern
  • gewonnene Erkenntnisse werden zu einer Ressource für die Zukunft gemacht

 

Bei der Biografiearbeit werden drei Zeitformen nach John McTraggert eingezogen:

  • Erinnerung an die Vergangenheit als Lebensbilanz
  • Begleitung in der Gegenwart als Lebensbewältigung
  • Perspektive für die Zukunft als Lebensplanung

 

In der ganzheitlichen Sichtweise geht es um die Bilanzsteigerung vergangener Lebensleistung, um eine Integration von Lebenserfahrungen in ein gegenwärtiges Selbstbild und in der Lebensplanung um eine Entscheidungsfindung zukünftiger Aktionen.

Das zeitliche und methodische Paradigma verfolgt dabei das Ziel, ein individuelles Gefühl eines Zusammenhanges herauszubilden. Durch diese Zusammenhänge wird die persönliche Identität als eine in sich zusammenhängende Einheit empfunden.